Aktuell
Der
Landesverbandsvorstand reagiert auf Aussagen des Parlamentarischen
Geschäftsführers der CDU, Peter Biesenbach
Sehr geehrter Herr
Biesenbach,
unter der Überschrift „Kampf der Jugendgewalt“ war in der Westdeutschen
Allgemeinen Zeitung vom 21. Januar 2009 nachzulesen, dass die
Regierungsfraktionen im Düsseldorfer Landtag zur Bekämpfung der
Jugendkriminalität 90 Arbeitsplätze für Richter und Staatsanwälte neu
schaffen wird. Dieses Vorhaben wird von uns ausdrücklich begrüßt.
In
dem Beitrag wurden Sie auf die Frage, wie diese Stellenvermehrung
finanziert werden soll, zitiert, „dass das Geld für die neuen Stellen von
rund drei Millionen Euro an anderer Stelle eingespart werden solle, etwa
bei der Entschädigung der Vollstreckungsbeamten“.
Sie
können sich sicherlich vorstellen, dass mich beim Lesen des Artikels diese
Ihre Aussage empört hat. Wie bitte soll ich das verstehen? Zu den
Vollstreckungsbeamten gehören für mich ohne Zweifel die
Gerichtsvollzieherinnen und Gerichtsvollzieher des Landes NRW. Werden hier
Pläne geschmiedet, den Gerichtsvollziehern ihre Entschädigung zu kürzen,
ohne die Standesvertretung, den Deutschen Gerichtsvollzieherbund in die
Überlegungen einzubeziehen? Das wäre, gelinde gesagt, ein starkes Stück.
Es gibt wohl keine andere Berufsgruppe innerhalb des öffentlichen
Dienstes, die verpflichtet ist, ihre Büros auf eigene Kosten zu
unterhalten. Wollen Sie den Kolleginnen und Kollegen im Lande NRW etwa
die ihnen hierfür zustehende Entschädigung kürzen oder gar streichen?
Es
ist einfach kein guter Stil, plakativ die Schaffung neuer Stellen
anzukündigen und hintenherum bei den Kleinsten im Rechtssystem, die als
Einzige die Brücke zwischen Justiz und Bürger schlagen, Kürzungen
vorzunehmen.
Der
Gerichtsvollzieher ist ohne Frage ein Repräsentant der Justiz vor Ort. Was
nutzt einem Recht zu bekommen, wenn anschließend niemand mehr motiviert
ist, das gesprochene Recht auch umzusetzen. Die Gerichtsvollzieher haben
ihren „Sparbeitrag“ in den vergangenen Jahren bereits geleistet. Sie sind
nicht nur als Beamte die „Sparschweine der Nation“, sondern verzichten
auch bereits seit Jahren auf eine Fortschreibung ihrer Bürosachkosten. Es
ist sicherlich unstreitig, dass diese Kosten seit Einführung des EURO
explosionsartig gestiegen sind.
In
diesem Zusammenhang erinnere ich mich auch wieder an ein Protokoll über
den Neujahrsempfang des Deutschen Anwalt Vereins. Frau
Bundesjustizministerin Zypries stellte dort in Aussicht, dass eine
Evaluierung der Vergütung der Rechtsanwälte kommen muss und kommen wird.
Sie erklärte weiter, dass es gute Leistungen nicht zu „Dumping Preisen“
gibt. Gute Leistungen kosten Geld.
Gilt das für die Leistung eines Gerichtsvollzieherbüros nicht? Seien Sie
versichert, dass für eine erfolgreiche Zwangsvollstreckung auch ein gut
organisiertes Büro, das ebenfalls nicht zum Nulltarif arbeiten kann, nötig
ist. Sie wissen doch aus eigener Anschauung, welcher finanzielle Aufwand
für die Unterhaltung eines Abgeordnetenbüros notwendig ist.
Sehr geehrter Herr Biesenbach. Ihre in der WAZ zitierte Aussage klingt für
mich schon sehr konkret. Als Vorsitzender des Deutschen
Gerichtsvollzieherbundes Landesverband NRW erwarte ich von Ihnen
Aufklärung darüber
a)
wie weit die Regierungsparteien in ihren Überlegungen, Einsparungen bei
der Entschädigung der Vollstreckungsbeamten vorzunehmen, bereits
fortgeschritten sind,
b)
warum der Deutsche Gerichtsvollzieherbund aus der Zeitung von den Plänen
der Regierungsparteien erfahren muss und in einer solch existenziellen
Frage nicht hinzugezogen wird,
c)
ob die Justizministerin und ihr Ministerium in die Überlegungen einbezogen
sind oder diese Gedanken gar aus diesem Hause angestoßen wurden.
Diese Fragen sollten in einem längst überfälligen persönlichen Gespräch
geklärt werden.
Gestatten Sie mir in diesem Zusammenhang noch einen Hinweis. Der Vorstand
des DGVB war zu einem Gespräch mit Ihnen und Mitgliedern des
Arbeitskreises Recht am 02.09.2008 in den Landtag eingeladen. Kurz bevor
ich an diesem Tage Düsseldorf Hbf erreichte, erhielt ich aus dem Büro der
CDU den telefonischen Hinweis, Sie, Herr Biesenbach, seien leider aufgrund
anderer Gespräche nicht abkömmlich. Herr Giebels sei zwar anwesend, aber
erkrankt und könne an dem Gespräch nicht teilnehmen. Wir wurden mit Frau
Dr. Bergfeld vertröstet. Herr Giebels begrüßte uns dann zwar im Landtag,
verabschiedete sich aber sogleich wieder mit dem Versprechen, das Gespräch
zeitnah nachzuholen. Ich brauche sicherlich nicht zu erwähnen, dass bis
heute kein weiterer Gesprächstermin an uns herangetragen wurde.
Wenn ich den Beitrag in der WAZ und die von Ihnen und Ihren Parteikollegen
gezeigte Gesprächsbereitschaft zusammennehme, zeigt mir das deutlich Ihre
Wertschätzung dem Beruf des Gerichtsvollziehers gegenüber. Da gehen die
anderen im Landtag vertretenen Parteien doch respektvoller mit uns um.
Schade. Wir Gerichtsvollzieher hatten nach jahrelanger rot-grüner
Blockadepolitik so viel Hoffnung in das neue Regierungsbündnis gesetzt,
versprach Ministerpräsident Rüttgers doch, „Leistung muss sich wieder
lohnen“. Dieses Wahlkampfmotto ist inzwischen zur Floskel verkommen.
Mit freundlichem Gruß
Detlef Hüermann
Landesverbandsvorsitzender
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